1027 - Schach in Fürstenwalde

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

1027

Wenn Wikinger Schach spielen
Manches spricht dafür, dass die Wikinger zuerst das Spiel nach Europa gebracht haben, welches sie auf ihren ausgedehnten Handelsreisen im Orient kennen gelernt haben dürften. In der Heimskringla, der norwegischen Königsgeschichte des isländischen Gelehrten Snorri Sturluson, die bis zum Jahr 1177 reicht, findet sich der Bericht über eine typische Wikingerpartie.
König Knut ritt am Tage vor der St. Michaelsmesse mit großem Gefolge nach Roskilde. Sein Schwager, Jarl Ulf, hatte dort ein Fest für ihn veranstaltet. Der Jarl bot ihm eine herrliche Unterhaltung und war sehr aufgeräumt, aber der König war mißvergnügt und verdrießlich. … Der Jarl lud ihn nun zu einem Schachspiel ein, und das nahm der König an. So nahmen sie ein Schachbrett vor und spielten. … Als sie nun eine Weile Schach gespielt hatten, König Knut und der Jarl Ulf, da tat der König einen großen Fehlzug, und der Jarl schlug des Königs Springer. Der König nahm seinen Zug zurück und bat ihn, einen andern Zug zu tun. Der Jarl wurde wütend, warf den Tisch um und ging weg.
(Snorris Königsbuch, 2. Bd., Jena 1922, S. 287 f.)
Danach beschimpfen die beiden einander ordentlich und am nächsten Tag lässt der König den Jarl in der Kirche meucheln.
Schachfiguren der Wikinger [2] [29]
Schachfiguren der Wikinger [2] [29]
    
Abb.: Schachfiguren der Wikinger [2] [29]
aus dem berühmten Fund auf der Insel Lewis westlich von Schottland (drittes Viertel 12. Jh.)
Die Figuren stammen aus einem Hortfund von 93 beinernen Schachfiguren, Spielsteinen und einer einzelnen Gürtelschnalle, der 1831 entdeckt wurde. Da einige Stücke Halbfabrikate zu sein scheinen, könnte es sich um einen Teil des Vorrats eines Händlers oder Walbein-Schnitzers handeln, der entweder auf den äußeren Hebriden ansässig oder auf der Durchreise war.
Stilistisch sind die Figuren in der englischen Kunst ohne Parallele, das Pflanzenornament auf den Thronrücken kennt man jedoch von nordwestnorwegischen Funden.
(Wikinger Waräger Normannen, Begleitheft zur XXII. Kunstausstellung des Europarates, Berlin 1992, S. 100)
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü