1200 - Schach in Fürstenwalde

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1200

Kidnapping während der Partie

Meister Gottfried liest aus seinem Werk [31]

Abb.: Meister Gottfried liest aus seinem Werk [31]

Gottfried von Straßburg erzählt um 1200 in seinem unvollendeten Epos "Tristan und Isolde", wie der jugendliche Held von norwegischen Händlern beim Spiel entführt wird, als er ein Wikingerschiff betritt.
Da sah Tristan zufällig
im Schiff ein Schachspiel hängen,
das Brett und seine Spangen
wunderbar gearbeitet,
kostbar und schön verziert.
Daneben hingen die Steine,
aus edlem Elfenbein
ganz meisterlich geschnitzt.
Einer der fremden Kaufleute setzt sich mit Tristan ans Brett.
Der kunstbegabte Jüngling,
der wohlerzogene Tristan,
saß und spielte sein Spiel
so schön und hofgemäß.

Der höfische gebildete Knabe
verwandte immer wieder
seine höfischen Worte
und fremden Schachausdrücke.
Die sprach er fein und kannte viele.
So zierte er sein Spiel.
Die Seeleute lichten den Anker und entführen Tristan und seinen Erzieher Kurneval.
Denn jene waren so sehr
in ihr Spiel versenkt, dass sie
nur an ihr Schachspiel dachten.
Als sie damit zu Ende waren
und Tristan das Spiel gewonnen hatte,
erst da sah er sich um
und merkte, was geschehen war.
Die Wikinger geraten in Seenot und setzen Tristan an der Küste Cornwalls aus.
(Gottfried von Straßburg, Tristan und Isolde, Berlin 1970, Ü.: Günter Kramer, S. 59 ff.)

Dame aus Elfenbein, Unteritalien, Anfang 12. Jh. [43]

Abb.: Dame aus Elfenbein, Unteritalien, Anfang 12. Jh. [43]

    
 
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