1748 - Schach in Fürstenwalde

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1748

Der Affe als Mensch

Christian Fürchtegott Gellert [24]
Abb.: Christian Fürchtegott Gellert [24]
Nach einem Gemälde von Graff gest. von Bause

In Alfred Kiefers Buch "Das Schachspiel in Literatur und Kunst" findet sich auf Seite 69 eine Gellertsche Fabel, die so beginnt:
Ein Affe sah ein Paar geschickte Knaben
Im Schachbrett einmal die Figuren ziehn,
Und sah auf jeden Platz, den sie den Steinen gaben,
Mit Achtsamkeit, die stolz zu sagen schien,
Als könnt er selbst die Steine ziehn.

Da schlägt man gern in Gellerts Schriften nach, um die Originalfassung zu lesen. Und was findet man? Eine Fabel, die vom Damespiel handelt. Und weil sie so schön ist, sei sie hier eingerückt.

Der Affe.

Ein Affe sah ein Paar geschickte Knaben
Im Bret einmal die Dame ziehn,
Und sah auf jeden Platz, den sie dem Steine gaben,
Mit einer Achtsamkeit, die stolz zu sagen schien,
Als könnt er selbst die Dame ziehn.
Er legte bald sein Mißvergnügen,
Bald seinen Beyfall an den Tag;
Er schüttelte den Kopf itzt bey des Einen Zügen,
Und billigte darauf des Andern seinen Schlag.
     Der Eine, der gern siegen wollte,
Sann einmal lange nach, um recht geschickt zu ziehn;
Der Affe stieß darauf an ihn
Und nickte, daß er machen sollte,
Doch welchen Stein soll ich denn ziehn,
Wenn dus so gut verstehst? Sprach der erzürnte Knabe,
Den, jenen, oder diesen da,
Auf welchem ich den Finger habe?
Der Affe lächelte, daß er sich fragen sah,
Und sprach zu jedem Stein mit einem Nicken; Ja.
                                    * * *
Um deren Weisheit zu ergründen,
Die thun, als ob sie das, was du verstehst, verstünden:
So frage sie um Rath. Sind sie mit ihrem Ja
Bey deinen Fragen hurtig da:
So kannst du mathematisch schliessen,
Daß sie nicht das Geringste wissen.

(C. F. Gellerts sämmtliche Schriften, Berlin und Stettin 1775, Erster Theil, S. 148)

 
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