1759 - Schach in Fürstenwalde

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1759

Angie und Fritz

Nur die NSA kennt die aktuelle Wertzahl von Landesmutter Merkel und zu Zeiten Friedrichs des Großen war man solchen Zahlenspielereien abhold. Aber die Klötzchen konnte Fridericus wohl schieben. Dafür spricht zumindest ein Tagebucheintrag seines Vorlesers Henri de Catt aus dem Siebenjährigen Krieg. Friedrich, der mit seinen Truppen gegen den österreichischen Feldmarschall Daun lavierte, sagte zu Catt am 21. November:
Ein Mann, der nur Schritt für Schritt vorwärtsgeht und niemals etwas wagt, wird, glaube ich, nie nennenswerte Erfolge haben; im Kriege geht es nicht zu wie im Schachspiel: Dabei kann man sich Zeit lassen, dort aber nicht. Wenn ich mein Spiel nicht beende, kann ich es wohl bis morgen zurückstellen, wenn ich aber meinen Feldzug nicht beende, wer weiß, ob es mir im nächsten Jahr gelingt? Der Feind kann seine Partie ändern.
(de Catt, Tagebücher, Wiesbaden 1954, S. 156)
Damals kannte man noch kein Schnellschach.

Thiébault, ein französischer Gelehrter aus dem Dunstkreis des Königs, überliefert in einem Gespräch Friedrichs mit seinem Neffen, dem Prinzen Wilhelm von Braunschweig, allerdings dessen Selbstbekenntnis, nicht Schach zu spielen.
F2:
"Welches sind deine Lieblingsleidenschaften?"
Wilhelm:
"Ich habe nur drei, Eure Majestät. Nicht für die Frauen – denn meine zarte Gesundheit wird mir wohl nicht erlauben, auf diesem Felde große Erfolge zu haben. Die erste meiner drei Leidenschaften ist der Wunsch, ein hervorragender Schachspieler zu werden."
F2:
"Darin kann ich dir leider nicht behilflich sein, mein lieber Freund, denn ich spiele niemals und kenne das Schachspiel nicht einmal."
(Dieudonné Thiébault, Friedrich der Große und sein Hof, Stuttgart 1901, Bd. 1, S. 29)
Vermutlich hatte Friedrich keinen Bock darauf, Schachunterricht zu erteilen.
Prinz Wilhelm starb schon mit 24 Jahren.

    
Susanna Poldauf schreibt in ihrer Philidor-Biografie ausführlich über einen Besuch des Meisters am preußischen Hof im Jahr 1750. In den Anmerkungen findet sich:
Maßmann berichtet von einer Lebendschachpartie, die Friedrich II. gegen Graf Hoditz gespielt haben soll: "Auf dem Felde bei Roßwald im Österreichischen wird noch der Platz gezeigt, wo Graf Albrecht Joseph Hoditz mit Friedrich dem Großen Schach spielte, worin angemessen bekleidete Bauernbuben die Stellen der Figuren vertraten."
(vgl. H. F. Maßmann, Geschichte des mittelalterlichen, vorzugsweise des Deutschen Schachspieles. Quedlinburg, Leipzig 1839, S. 84, zit. nach: Susanna Poldauf, Philidor, Berlin 2001, S. 51)

Friedrich II., gemalt von Rudolf Fischer [1] [2]

Abb.: Friedrich II., gemalt von Rudolf Fischer [1] [2]

(nach dem Gemälde von Wilhelm Camphausen: Friedrich der Große zu Pferde, 1861)

    

Wenn man Beat Rüegsegger Glauben schenken darf, spielten Friedrich und Voltaire eine Korrespondenzpartie (vgl. Persönlichkeiten und das Schachspiel, Huttwil 2000, S. 179).

In den Briefen Friedrichs II. an den Patriarchen von Ferney konnte ich jedoch nur zwei Hinweise auf das Schachspiel finden.

Aus Dühringsvorwerk berichtet der König während des Siebenjährigen Kriegs am 18. Juli 1759:
Der Mann mit dem päpstlichen Hut und Degen [der österreichische Feldmarschall Daun] hat sich an der Grenze von Sachsen und Böhmen aufgestellt. Ich habe eine Position bezogen, die in jedem Sinne ihm gegenüber vorteilhaft ist. Im Augenblick machen wir die Vorbereitungszüge unserer Schachpartie. Sie, der Sie das Spiel so ausgezeichnet beherrschen, wissen ja, daß alles von der Art und Weise abhängt, wie man das Spiel ansetzt. Ich kann noch nicht sagen, wohin das führt.
(Voltaires Briefwechsel mit Friedrich dem Großen und Katharina II, hg. v. Walter Mönch, Berlin 1944, S. 164 f.)
Im Frieden schreibt der gewiefte Stratege am 28. Februar 1775 über das Buch eines andern meisterlichen Feldherrn, des Marschalls von Sachsen:
Nur die Plane interessieren; denn das Terrain ist das Schachbrett für solche Kannibalen, wie ich, und aus der Art, wie es jemand nützt, kann man seine Geschicklichkeit oder seine Ignoranz beurtheilen.
(Hinterlassene Werke Friedrichs des Zweyten, Königs von Preußen. o. O. 1789, Bd. 9, S. 266)
Der Marschall ist Moritz von Sachsen, natürlicher Sohn Augusts des Starken. Bei seinem Buch (der Titel wird nicht erwähnt) handelt es sich vermutlich um die berühmten "Rêveries militaires" voll kühner und neuer Ansichten über die Kriegswissenschaft (Brockhaus, Berlin und Wien 1903, Bd. 12, S. 4), die er 1731 auf dem Krankenlager schrieb.

 
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