1829 (oder 1840?) - Schach in Fürstenwalde

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

1829 (oder 1840?)

Schach in der Höhle des Bären

Alexander von Sternberg um 1845 [22]
Abb.: Alexander von Sternberg um 1845 [22]

Der zur Zeit des "Jungen Deutschlands" beliebte Romanschriftsteller berichtet aus der St. Petersburger Schachszene
von dem kleinen Männer-Abendzirkel, der sich bei stark dampfenden Pfeifen bei Herrn von Neweroff versammelte. Auf diesem kleinen Parnaß herrschte beständig ein erstickender Tabaksqualm, der es mir unmöglich machte, lange zu verweilen. Dabei wurden endlose Schachpartien abgespielt. Das Schachspiel ist bekanntlich ein Spiel, das alle Geselligkeit in den Grund bohrt. Es sitzen vier versteinerte Paare in einem Zimmer beisammen und wehe dem Unglücklichen, der durch diese Reihen durchgehend die Andacht dieser mystischen Träumer zu stören wagt! Ein Kartenspieler duldet noch hie und da eine Unterbrechung; ein Schachspieler ist unerbittlich. Bis das entscheidende "Matt!" erklingt, darf auch nicht das kleinste geflüsterte Wort sich in die Atmosphäre dieser trappistischen Schweigsamkeit hineinstehlen. Und sie sind dabei so hochmütig, diese Spieler! Sie sehen ihr Spiel wie eine Art Geschäft an, wie eine Sache von großer Wichtigkeit, und manche gehen so weit, daß sie die Individuen, die an derselben Krankheit leiden, aufsuchen, mit ihnen in Korrespondenz treten und auf diese Weise einen großen Teil ihres Lebens und Treibens mit den wunderlichsten Nichtigkeiten vergeuden. Herr von Neweroff mag mir verzeihen, wenn diese Zeilen ihm zu Gesicht kommen, daß ich ihm den Ruhm nicht neide, den er in seiner Umgebung hatte, sehr selten matt geworden zu sein, doch viele matt gemacht zu haben. Zu den letzteren gehörte ich auch.
(Alexander von Sternberg, Erinnerungsblätter aus der Biedermeierzeit, Potsdam-Berlin 1919, S. 127 f.)

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü