1873 - Schach in Fürstenwalde

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1873

Der Glasberg taucht auf

Bruno Wille [41]

Abb.: Bruno Wille [41]

Photographie Nicola Perscheid, Berlin


Bruno Wille (geb. 1860) gehörte in den späten 1880er Jahren mit Gerhart Hauptmann, den Brüdern Hart und Wilhelm Bölsche zum Kreise des Dichtervereins "Durch", der die von Eugen Wolff so genannte "Moderne" in Berlin repräsentierte. Erst 1920 erscheint sein Roman "Der Glasberg", der von seiner Zeit als Pennäler in Tübingen handelt.

"Solle mr Schach spiele?" schlug Uli vor – ich holte mein  Schachbrett und im Schuppen, wo es windstill war, kauerten wir um das schwarz und weiß karierte Feld. "Dies könikliche Spiel" – sagte Uli, die Figuren aufstellend – "ischt e Schleifstein des Verstandes; besonders solchen zu empfehlen, die Feldherren werden möchten oder Regenten. Napolen ischt e gueter Schachspieler gwä, drum hat er so viele Schlachten gewonnen. Pädagogisch hat Schach viel mähr Wert als lateinische Grammatich, die zwr wegen ihrer Logik gelobhudelt wird, aber Onlogisches enthält…"
Der Uli zieht dann mit den Kumpels über die lateinische Formenlehre her und endet:
"I werd's Schachspiel zom Unterrichtsgegenstand mache – an Stell von der lausigen Grammatich, gelt?"
(Bruno Wille, Der Glasberg, Berlin 1920, S.136 f.)
Dieses Buch ist ein wehmütiger Abgesang auf die vergangene Herrlichkeit des zweiten deutschen Kaiserreichs, auf die gute alte Zeit ohne Telefon und Automobil, als man noch am entzündeten Blinddarm starb.


 
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