1943 - Schach in Fürstenwalde

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1943

Das Glasperlenspiel
Hermann Hesse hatte sein Alterswerk den Morgenlandfahrern gewidmet. Morgenlandfahrt stand damals noch nicht unter Generalverdacht.  
Das ominöse Glasperlenspiel, eine Art regelgerechtes Jonglieren mit kulturellen Bedeutungsträgern, für Außenstehende gehüllt in die Aura des Geheimnisvollen, wurde von Hesse öfters mit dem Schachspiel verglichen.
Da und dort in den alten Literaturen stößt man auf Legenden über weise und magische Spiele, die von Gelehrten, Mönchen oder an geistfreundlichen Fürstenhöfen ersonnen und gespielt worden seien, zum Beispiel in Form von Schachspielen, deren Figuren und Felder außer der gewöhnlichen noch ihre Geheimbedeutungen hatten.
(Hesse, Glasperlenspiel, Berlin und Weimar 1977, S. 17 f.)
Anni Carlsson, seine Übersetzerin ins Schwedische, hat bereits früh die Wesensgesetze des Glasperlenspiels untersucht.
Schon Novalis notierte sich: "Vielleicht kann man mittels eines dem Schachspiel ähnlichen Spiels Gedankenkonstruktionen zustande bringen. Das ehemalige logische Disputierspiel glich ganz dem Brettspiel". Bei Hesse hat sich dieser flüchtige Gedankenkeim zur vollen Blüte entfaltet. Er gewinnt dem einfachen Grundschema jede erdenkliche Differenzierung ab. "Ein Leser, welcher etwa das Glasperlenspiel nicht kennen sollte, möge sich ein solches Spielschema etwa ähnlich vorstellen, wie das Schema einer Schachpartie, nur daß die Bedeutungen der Figuren und die Möglichkeiten der ihrer Beziehungen zueinander und ihrer Einwirkung aufeinander vervielfacht gedacht und jeder Figur, jeder Konstellation, jedem Schachzuge ein tatsächlicher, eben durch diesen Zug, diese Konfiguration usw. symbolisch bezeichneter Inhalt zuzuschreiben wäre."
(Hugo Ball, Hermann Hesse, Mit einem Anhang von Anni Carlsson, Suhrkamp 1947, S. 269)
Das Novalis-Zitat muss übrigens richtig so enden: Das ehemalige logische Disputierspiel glich ganz einem Brettspiel. (Novalis, Briefe und Werke, Berlin 1943, Bd. 3, Die Fragmente, Frg. 1232, S. 359)
Hermann Hesse 1908 [24]
Abb.: Hermann Hesse 1908 [24]
In Gustav Könneckes "Deutschem Literaturatlas" von 1909 ist der damals 31jährige Hesse nicht nur der jüngste abgebildete Autor, sondern auch der einzige, der so ausschaut, als gehöre er zum 20. Jahrhundert.
 
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