Dahmelandpokal 2014 - Schach in Fürstenwalde

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Dahmelandpokal 2014

(geschrieben von Olaf Budach vom SV Briesen)

Vom 2. bis 5. Oktober fand der 10. Dahmelandpokal in Wildau statt. Schonmal vorab herzlichen Dank ans Org-Team, welches Carlo Borchardt (USC Viadrina Frankfurt/Oder) und mir trotz leicht verspäteter Anmeldung noch die Teilnahme ermöglichte. Auf halben Weg von Eisenhüttenstadt nach Wildau luden wir in Briesen noch Daniela und Juliane Heinrich ein, und ab ging die "wilde Fahrt". Süffisante Kommentare bezüglich meines angeblichen "Opa-mit-Hut"-Fahrstils gabs diesmal keine!

In der Oberschule in Wildau erwarteten uns schon einige gute alte Bekannte vom Briesener Open wie z.B. Horst Schrodt (SC Eintracht Berlin), Werner Püschel (SG Lasker Steglitz-Wilmersdorf) oder Jens Stegmann (SC Zugzwang 95) und auch unsere Freunde von der BSG Pneumant Fürstenwalde: Daniela Hoffmann, Leane Odoy und Carsten Zubke. Für gute Laune in den Pausen war also gesorgt!

Für leichte Verwirrung sorgte dann der Auslosungsmodus: die DWZ-Zahlen der Teilnehmer wurde mit log(10) multipliziert, das Feld in 23,54 gleiche Teile eingeteilt, und irgendwie spielten Pi, die Eulersche Zahl und die Lottozahlen der Vorwoche auch noch eine Rolle. Glaub ich. Oder es war einfach ein beschleunigtes Schweizer System. Vielleicht. Das angestrebte und sicherlich auch verständliche Ziel der Organisatoren, die Spielstärkeunterschiede in den ersten Runden nicht allzu groß werden zu lassen, wurde jedoch nicht erfüllt. Aber vermutlich gibts für dieses Problem einfach keine perfekte Lösung - ganz im Gegensatz zu fast jedem anderen Problem oder "Problemchen", für das die Turnierleitung immer ein offenes Ohr und eine logische Lösung parat hatte.


Der innovative Auslosungsmodus bescherte mir gleich zu Beginn den ersten dicken Brocken: Frank Kunow (1864 DWZ). Und zugleich die Gelegenheit zur Revanche: 12 Jahre früher, im beschaulichen Hohenfinow, "beschummelte" Frank mich noch in einem ausgeglichenen Springerendspiel mit einer hübschen Durchbruchkombination. Bedauerlicherweise hat er das Schachspielen immer noch nicht verlernt, und so stand ich nach 16 Zügen völlig breit. 30 Minuten wirre Berechnungen, ein Stoßgebet, ein Bauernvorstoß, der die Partie endgültig verdirbt ... und 10 Züge später war die Stellung  ausgeglichen. Wenig später einigten wir uns auf Remis, und ich freu mich schon auf 2026, wenn ich Frank dann endlich mal den ganzen Punkt "abschummeln" kann.

Im Gegensatz zu mir waren die beiden Danielas nicht ganz so zufrieden mit der Auslosung. Scheinbar hatten alle anderen Angst, und so mussten sie es unter sich ausmachen. Augenzeugenberichte von einer wilden Kampfpartie machten die Runde, doch am Ende stand auch hier die Punkteteilung.

Carsten erwischte einen Auftakt nach Maß, und gewann mit Weiß gegen Volkmar Berger (1649 DWZ).
Leider waren dies schon alle guten Nachrichten vom Donnerstag: Leane war wohl noch nicht richtig warm, und verlor gegen Nico Anton Schautis (983 DWZ), Juliane hatte gegen Norbert Wallet (1592 DWZ) das Nachsehen, und Carlo half Werner Püschel (1980 DWZ) nach Leibeskräften, sich für einen Schönheitspreis zu empfehlen. Es wird aber gemunkelt, dass Carlo beim nächsten Aufeinandertreffen eventuelle Springeropfer auf f7 härter betraft!


Egal wie stark der Gegner auch war, in der zweiten Runde gehts immer noch "schlimmer": Carsten Kühne (1926 DWZ) vom Potsdamer SV Mitte saß mir gegenüber. Im Londoner System spielte er ruhig und überlegt, und schaffte es, dass ich mich 57 Züge lang unwohl fühlte. Erst die Annahme meines Remisangebots sorgte bei mir für bessere Stimmung. Ein halber Punkt, diesmal ohne "Schummeln".

Ebenso Grund zu leisem Jubel hatten Carlo gegen Franz Tham (1352 DWZ), Daniela Heinrich gegen Florian Zappe (1223 DWZ) und Leane gegen Thorsten Seidelmann (1069 DWZ).
Carsten bekam mit Rainer Birk (2031 DWZ) einen ebenso erfahrenen wie starken Gegner zugelost, und verlor trotz starker Gegenwehr. Daniela Hoffmann hatte gegen Hartmut Rakow (1405 DWZ) kein Glück, und Juliane behinderte zu dieser frühen Stunde, quasi mitten in der Nacht, 10:00 Uhr in der Früh', wohl noch das Kissen im Gesicht in ihrer Partie gegen Torsten Eichstädt (979 DWZ).



Ab der dritten Runde verlief dann die Auslosung wieder nach gewohntem Schema, und so hatte Daniela Hoffmann an Brett 33 wie erwartet ... Erik Allgaier (2033 ELO)! An Brett 6 hatte Daniela Heinrich mit Valerian Giraud (1935 DWZ) 50 ELOs weniger zu stemmen, aber leider stand für beide am Ende die Null. Auch Leane erwischte mit Constanze Wulf (1727 DWZ) eine starke Gegnerin und konnte nicht für eine Überraschung sorgen. Das übernahm dann Carsten, der unerwartet gegen Frithjof Flemming (1581 DWZ) verlor.
Etwas besser lief es für Carlo und mich. Beide waren wir unseren jungen Gegnern, Nico Anton Schautis bzw. Timo Boldt (1206), sehr dankbar, dass sie viel viel zu schnell spielten, und uns ein paar Figuren schenkten. Vorallem ich war erleichtert, da ich ja öfter mal meine Probleme mit den kleinen "Taktikmonstern" habe.



Die Strafe folgt manchmal auf dem Fuß, und so erwischte ich in Runde 4 ein absolutes "Traumlos": Bogdan Piskaykin (1801 DWZ), sehr talentierter Teilnehmer der diesjährigen U14-DEM in Magdeburg. Hier mal ein Dank an die DSJ, die fleißig die Partien der DEM veröffentlicht, und auch an 2 von Bogdans Gegner, die dort gegen sein 1.e4 "meine" Caro-Kann-Verteidigung anwandten. So konnte ich mich etwas vorbereiten, hatte gegen das recht seltene 1.e4 c6 2.d4 d5. 3.e5 Lf5 4.h4!? keine Probleme, und gewann früh einen Bauern. Später konnte ich noch einen Mehrspringer herauszaubern ... der sich dann in leichter Zeitnot völlig verhoppelte und gegen zwei Bauern getauscht werden "musste". Das entstehende Turmendspiel mit zwei Mehrbauern war dann, wie immer bei Beteiligung meinerseits, remis.

Carsten Kühne mit weiß, Londoner System, ruhig aber druckvoll: das gabs doch schonmal, nur erwischte es diesmal Carlo. Er brauchte allerdings knapp 30 Züge weniger, bevor Carsten in die Punkteteilung einwilligte.

Daniela Heinrich war jetzt auf den Geschmack gekommen mit den sehr starken Gegnern, und diesmal durfte sie gegen Heiko Schäfer (2019 DWZ) ran! In einem "italo-spanischen 3,5-Springerspiel" wehrte sie sich recht kräftig, übersah aber eine nette taktische Wendung, die ihr vermutlich Ausgleich beschert hätte. Die nette taktische Wendung, die sie dann stattdessen sah, hatte leider ein Loch, und so musste sie kurz darauf die Segel streichen.

Carsten wollte gegen Herbert Thur (1247 DWZ) gern in mindestens 47 Zügen strategisch nachweisen, warum nach 1.d4 d5 2.c4 c6 der Zug 3.c5?! verfrüht ist. Sein Gegner wollte dies nicht einsehen, und stellte rasch eine Figur ein, um taktisch verlieren zu können. Carsten umschiffte jedoch alle Klippen/Figureneinsteller und gewann ... strategisch!

Juliane wollte dem in nichts nachstehen, und zeigte in ihrer Partie gegen Nico Anton Schautis ein tiefgründiges Figurenopfer, dessen wahre Pracht sich ca. 30 Züge später in einem Endspiel mit Mehrturm offenbarte. Meine Version der Geschichte - Einsteller, Gegeneinsteller, Turm eingestellt - wurde widerlegt. ;(

Daniela Hoffmann haderte weiter mit ihrem Losglück, und verlor unglücklich gegen Volkmar Berger.
Und Leane ... war noch nicht warm, und gegen Doris Wulf (1255 DWZ) reichte es leider wieder nicht.



Der Strafe zweiter Teil in Runde 5: meine eher harmlose Lästerei über holländische LKW-Fahrer auf der Fahrt nach Wildau sollte durchs Schicksal, und vielleicht auch durch Ronny Seifert (1792 DWZ), wohl nach 1.Sf3 f5 durch endlose Qualen in einem Stonewall oder Leningrader System o.ä. bestraft werden, aber glücklicherweise erinnerte ich mich dunkel an eine Analyse vor einigen Jahren, und wehrte mich mit 2.e4!?. Erinnern, naja, vielleicht wären Anführungszeichen angebracht, denn 45 Minuten Bedenkzeitverbrauch nach 9 Zügen sprechen nicht grad für ein gutes Gedächtnis. Danach gings dann nicht nur mit meiner Zeit, sondern auch mit meiner Stellung stetig bergab, und nach 30 Zügen hätte ich auch getrost aufgeben können. Ein letzter Trick, und wie aus dem Nichts stand da ein Doppelturmendspiel mit Minusbauer auf dem Brett! Und das war, trotz Beteiligung meinerseits, remis.

Heiko Schäfer war nach mäßigem Beginn mit 0,5/2 jetzt warmgespielt, und nach Daniela nahm er sich nun das nächste Mitglied unserer kleinen LOS-Fahrgemeinschaft vor. Carlo wehrte sich mit allen schachlichen Mitteln, aber musste sich nach einer hübschen Kombination dem Druck beugen.

Und Leane ... war noch nicht warm, und gegen Keno Goertz (1058 DWZ) reichte es leider wieder nicht.
Wie sagte schon der große Philosoph Andreas Brehme: Haste Sch*** am Fuß, haste Sch*** am Fuß!

Auch für Carsten lief es nach gutem Beginn nicht mehr ganz so rund: gegen Franz Tham (1352 DWZ) kassierte er schon die zweite Niederlage mit Weiß im Turnier.
Ein strahlendes Gesicht gabs dann aber doch noch auf der Rückfahrt nach Fürstenwalde: Daniela Hoffmann hatte endlich den "Wat-isn-dit-für-ne-komische-Auslosung"-Fluch besiegt, und gegen David Langlamet (865 DWZ) den ersten vollen Punkt eingefahren.

Gemischte Ergebnisse auch bei den beiden Mädels aus Briesen: Daniela gewann trotz verzweifelter "Eröffnungsspionage" gegen Erik Fanin (1281 DWZ), während Juliane gegen Lena Gebigke (1566 DWZ) den Kürzeren zog.



Auch in Runde 6 waren meine Leiden noch nicht vorbei, und so setzte mich Felix Pfaff (1784 DWZ) knapp 40 Züge mit großem Vergnügen und überlegtem Spiel kräftig unter Druck. Der Lohn war ein Mehrbauer. Allerdings waren alle Hebel schon aufgebraucht, und sein schwarzfeldriger Läufer wurde durch 5 unglücklich postierte, schwarzfeldrige Bauern völlig lahmgelegt. Mein fauler Springer, der durch die Route b8-c6-a7-c6-d8 ohnehin schon völlig entkräftet war, musste nicht noch 50 Züge unbedroht und ohne Ziel durchs eigene Lager galoppieren, bevor wir uns aufs Remis einigten.

Carlo bekam es mit dem blinden Schachfreund Sebastian Stadler (1539 DWZ) zu tun. Es ist immer wieder beeindruckend, zu welchen Leistungen die Spieler ohne Ansicht des Brettes in der Lage sind, und auch Carlo hatte schwer zu kämpfen. Am Ende setzte er sich aber in einem Turmendspiel mit gesundem Mehrbauer durch.

Carsten probierte im 6. Spiel die 6. Eröffnung aus, und lernte wieder viel dazu. Diesmal auch mit positivem Ergebnis: ein schöner Sieg gegen Timo Boldt stand zu Buche.
Auch Daniela Hoffmanns Formkurve zeigte nach oben und sie gewann gegen Stephan Reeger (1284 DWZ).
Und Leane ... war noch nicht warm, und gegen Stefan Gölling (1275 DWZ) reichte es leider wieder nicht.

Einigkeit bestand in Hinsicht aufs Ergebnis diesmal bei Juliane und Daniela Heinrich. Jetzt müssen sich die beiden nur endlich mal darauf einigen, wenigstens einen halben Punkt zu ergattern. Gegen Constanze Wulf (1727 DWZ) bzw. Werner Kujawa (1654 DWZ) gelang dies noch nicht.



Lächle und sei froh, denn es hätte schlimmer kommen können ... und so kam es dann auch. Für die siebte Runde hatte sich die böse, böse Auslosungsmaschine den härtesten Brocken für mich aufgespart: Matthias Hahlbohm (1982 DWZ) von der TSG Oberschöneweide. Gegen meinen königsindischen Aufbau mit Weiß setze er eine Art Vierbauernangriff mit c5,d5,e5 und f5. Mehrere Male verpasste er wohl den ausgleichenden Zentrumskonter e4, und am Ende bekam mein Freibauer auf c6 plötzlich Flügel. Ein schöner Abschluss für ein endlich mal wieder gelungenes Turnier.

Auch für Carlo schloss sich in Runde 7 der Kreis: wie in Runde eins bekam er, diesmal in Gestalt von Rainer Birk, einen der topgesetzten Spieler zugelost, wieder opferte sich ein heldenhafter Springer auf f7, und obwohl Carlo dem geschenkten Gaul diesmal misstraute, musste er wieder die Niederlage quittieren. Trotzdem: 3,5 Punkte und Platz 33, gute kämpferische Leistungen in allen Partien und die erfolgreiche Vernichtung der gesamten Hackepeter-Vorräte der freundlichen und ungeheuer fleißigen Damen in der Kantine ließen ihn ein positives Fazit ziehen.

Schwer beladen mit 3 vollen Punkten machte sich das Auto aus Fürstenwalde auf den Heimweg: Carsten Zubke gewann gegen Horst Schrodt (1605 DWZ), Daniela Hoffmann rang Stephan Schiller (1508 DWZ) in einem völlig gleichstehenden Endspiel nieder, oder er sich selbst, und Leane ... war nun warm und diesmal reichte es endlich wieder gegen Béla Goertz.
Auch wenn Carsten mit den Eröffnungen haderte, Daniela mit der Auslosung und Leane etwas mit ihrer Form und der Tatsache, dass leider schon Schluss war, wo sie doch grad warm wurde, so können doch alle drei zufrieden auf ihre Partien schauen.

Wie schon eine Runde zuvor Ergebnis-Einigkeit bei Familie Heinrich, doch trotzdem lange Gesichter: der üble Streich der verdammten Auslosungsblechkiste, in der letzten Runde ein Familienduell anzusetzen, verbreitete keine gute Laune. Trotzdem entstand eine recht hübsche Partie, mit netten taktischen Kniffen, in der Juliane sich kurz vorm Matt in ein originelles Dauerschach rettete. Und auch hier sind die Ergebnisse vielleicht nicht optimal, aber an den Partien kann wenig gemäkelt werden: Initiative, Ideen, Kampf - alles war dabei. Die letzte Konsequenz fehlte manchmal noch, um ein besseres Ergebnis gegen starke Gegner erzielen zu können, aber daran wird gearbeitet!



Die durchweg entspannte Atmosphäre unter den Teilnehmern war sicherlich der Tatsache geschuldet, dass bei diesem Turnier fast alles stimmte: helle Spielräume mit genügend Platz, eine freundliche Turnierleitung, die jedem mit Rat, Tat und Kugelschreiber zur Seite stand, gute Verpflegung zu äußerst moderaten  Preisen, die von den beiden netten und EXTREM flinken Küchenfrauen auf die Tische gezaubert wurde und viele nette Gegner, die zumindest mich stets mit größter Freude und NUR auf dem Schachbrett "quälten"!
Lediglich die vielen Schreibfehler auf den Spielerkarten nervten den ein oder anderen S(ch)achfräunt. Aber wenn das alles ist, worüber bei einem Turnier gemeckert wird ...

Unsere Drohung steht: wir kommen wieder! Und nächstes Mal bringen wir einen Hammer mit, für die böse, böse, böse Auslosungsmaschine!


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü