Gründerzeit - Schach in Fürstenwalde

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Gründerzeit

Die Moral von der Geschicht

Heinrich Seidel (1842 – 1906) [18]

Abb.: Heinrich Seidel (1842 – 1906) [18]

Der Mecklenburger Heinrich Seidel schlug die Ingenieurslaufbahn ein. Er trat ein in das Bureau der "Berlin-Anhaltischen Eisenbahngesellschaft". Hier hat er die Unterführungen der Yorkstraße, des Schiffahrtskanals, des Tempelhofer und Halleschen Ufers zu Berlin konstruiert; vor allem aber schuf er die riesenhafte Überdachung des Anhalter Bahnhofs zu Berlin, sowie eiserne Fenster und hydraulische Aufzüge. [für Dampflokomotiven!]

(H. Wolfgang Seidel, Erinnerungen an Heinrich Seidel, Stuttgart und Berlin 1912, S. 15)
In der zweiten Hälfte seines Lebens wandte Seidel sich der Literatur zu und wurde bekannt als der Autor des Gründerzeitidylls "Leberecht Hühnchen". Er verfertigte auch reizende humoristische Gedichte, darunter das Studentenlied "Auf den Rabenklippen bleichen Knabenrippen …" und die betrübliche Moritat "Peter Gottfried Rempel", in der es heißt:

Nimmer will ich es verdammen,
Kommt zum Spielchen man zusammen:
Treibt man es mit weisem Mass,
Ist es ein erlaubter Spass –
Sonderlich das edle Schach;
Dabei sitzt man und denkt nach
Höchst verständigen Gesichts,
Bildet sehr und kostet nichts.
Aber Peter Gottfried Rempel
Liebte "Pharao" und "Tempel,"
"Landsknecht" und das wohlbekannte:
"Meine Tante – deine Tante,"
Schwang im Kreise wüster Zecher
Tag für Tag den Knobelbecher
Und verjuxte vieles Geld:
O du bitterböse Welt!

Wir ahnen es schon, das kann nicht gut gehn.

Schliesslich ward er Eckensteher,
Sonnenbruder, Orgeldreher,
Und verblieb mit blauer Nase
Bis auf heut in dieser Phase.

So ging’s Peter Gottfried Rempel –
Nehmt Euch daran ein Exempel!

    
(Heinrich Seidel, Idyllen und Scherze, Leipzig 1884, S. 156 ff.)

 
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