Hochmittelalter - Schach in Fürstenwalde

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Hochmittelalter

Schach in deutschen Landen

Schachspiel …
Seit dem 13. Jahrhundert findet man die Spuren des Spiels in den Dichtungen der höfischen Periode weit verbreitet; sein mhd. Name ist Schâchzabel, dessen zabel das lat. tabula = Tafel, Brett ist; Schach spielen heißt Schâchzabel ziehen, spilen, sich daran setzen; der und das schâh bedeutet den König im Schachspiel, das Brett und das Spiel. Die ältesten erhaltenen Schachfiguren gehören dem 12. Jahrhundert an, schwere faustgroße Stücke aus Elfenbein, Hirschhorn und Holz. Die mittellateinischen Namen der schâchzabelgesteine sind rex, domina oder femina oder regina, eques, alficus oder senex, rochus, pedites, die altfranzösischen roy, roine oder fierge, chevalier, dauphin, roch, péons, die deutschen künec, küneginne, ritter, alte, roch, venden oder vouzgengen.

(Götzinger, Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1895, S. 895 f.)
Warum man im Mittelalter den Läufer Alter (senex) nannte, erschließt sich mir nicht. Der Fußgänger aber war der gemeine Soldat, der Infantrist. Wir hatten bei der Fahne dafür den schönen Ausdruck Sandlatscher.

Schachstein Läufer [10]
Schachstein Springer [10]

Abb.: Mittelalterliche Schachsteine [10]

Alexander von Gleichen-Russwurm berichtet in seinem "Ritterspiegel" nebenbei auch über den ersten Schachautomaten:
Noch kostbarer waren das Schach- oder Zabelbrett (angelsächsisch taft, bleabord) und die meist mächtigen Schachfiguren – Kunec, Roch, Kurrier, Ritter, Vende. Oft wurde der Kunec als orientalischer Fürst dargestellt, ihm zu Füßen kauernd in kleinerer Ausführung Sklavengestalten. Gut Schach zu spielen gehörte zu den sieben probitates, den ritterlichen Vollkommenheiten. In einer irischen Legende spielen König und Königin Schach, während sie unrettbar vom Feind umzingelt und dem Tod verfallen sind, um den Eindringenden ihren Gleichmut zu beweisen. Von seinem Ursprung her ist etwas Sagenhaftes mit dem Schach verwoben. In einer bretonischen Sage kommt ein verwunschenes Schachbrett vor, das von selbst spielt.
(A. v. Gleichen-Russwurm, Der Ritterspiegel. Die Geschichte der vornehmen Welt des Mittelalters, Paderborn o. J., S. 143)

Konrad von Würzburg beschreibt in seiner Verserzählung „Der Welt Lohn“ das ritterliche Tagewerk:

birsen, beizen unde jagen
kunde er wol und treip sîn vil,
schâchzabel unde seitenspil
daz war sîn kurzewîle.
(Der Schwanritter, Berlin 1979, S. 90)

Es war kein leichter Job, ein edler Ritter zu sein. Wer seiner Holden den Minnesang nur vorbrummen konnte oder beim Schach gegen hohe Frauen andauernd Figuren einstellte, war gewiss heilfroh, wenn zum nächsten Kreuzzug geblasen wurde.

Otto IV. von Brandenburg sitzt mit seiner Dame beim Schachspiel [52]

Abb.: Otto IV. von Brandenburg sitzt mit seiner Dame beim Schachspiel [52]

    

Markgraf Otto von Brandenburg (vor 1250 bis 1309) … führte ein bewegtes Leben. Der über der Miniatur stehende Beiname "mit dem Pfeil" bezieht sich auf eine Pfeilschußverletzung am Kopf, die Otto bei der Belagerung von Staßfurt erlitt. Auch er gehörte zu den hochadligen Gelegenheitsdichtern.

(Manessische Liederhandschrift, Vierzig Miniaturen und Gedichte, Stuttgart 1985, S. 188)
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü