Kieler Open 2013 - Schach in Fürstenwalde

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Kieler Open 2013

Tag 1 (27.07.2013, geschrieben von Daniela Hoffmann): Parallel zum Turnier in Briesen spielten Dani und Thomas ein Turnier in Kiel. Für uns begann das Turnier aber erst am heißen Sonnabend. Auch wir zerfließen bei ca. 30 Grad ohne laues Lüftchen. Die Sonne knallt aufs Spiellokal und nur die Fenster zur Sonnenseite lassen sich ankippen. Gardinen – Fehlanzeige.

Die Auslosung versetzte uns in eine neue Situation. Thomas startete knapp oberhalb der Hälfe des Spielfeldes und ich knapp unterhalb. Thomas erster Gegner, Donato Gutscheinreiter vom Flensburger SK (Jahrgang 2002) mit einer DWZ von 1149. Thomas hatte ziemliche Mühe und dachte sogar, dass es Remis werden würde. Doch am Ende hat er das Matt doch noch gesehen und sich damit den ersten Punkt gesichert.

Ich musste an Brett 3 gegen Gerd Busse vom SV Holstein Quickborn (DWZ 1643, ELO 1827) ran. Ein Platz an der Sonne - 10 Minuten nach Spielbeginn floss der Schweiß in Sturzbächen und ich dachte schon über ein Remisangebot nach. Ein schönes Spiel, doch am Ende siegte die Erfahrung des Gegners und ich musste mich geschlagen geben. Das zweite Spiel wird hoffentlich besser.

In der Pause wurden wir häufig auf unseren Verein angesprochen - unsere T-Shirts fallen auf. Die schönste Frage: „Könnt Ihr vielleicht ein bisschen für Luft sorgen?“ (Pneu/Luft) Also mit Reifen wickeln kenne ich mich ja aus, aber Ventilatoren zaubern konnte ich dann doch nicht. Endlich kommt freiwillig ein wenig Wind auf, aber schon sammelt sich im Untergeschoss eine Gesellschaft. Da wird die zweite Runde wohl mit Musik untermalt werden. Auf geht’s.

Überraschung! Partnertausch! Jetzt spielt Thomas gegen Gerd Busse und ich gegen Donato Gutscheinreiter. Thomas baut sich wieder mal ein, sein Gegner schafft es nicht mehr, die Züge durchzurechnen und das Remis ist in der Tasche. Jetzt habe ich meine Mühe gegen den 11-Jährigen. Er hatte einen Bauern mehr, lehnte mein Remisangebot ab, doch am Ende wusste er auch nicht wirklich weiter und bot mir Remis. Ich nahm an. Übrigends: die Musik war schnell vorbei – kurz nach Beginn der zweiten Runde brach ein Unwetter über uns herein und die Gesellschaft floh laut kreischend ins Innere des Gebäudes. Morgen geht’s weiter.

Tag 2 (28.07.2013, geschrieben von Thomas Hoffmann): Heute schreibt mal Thomas, damit das Tagebuch Abwechslung bekommt. Dani hat momentan ein Tief, aus dem Sie wieder rauskommen muss. Bei den Potsdamer Open im Mai hatte sie eine hervorragende Serie hingelegt und gewann schließlich als drittbeste Frau einen Pokal. Hier in Kiel läuft es momentan nicht so gut für sie, wenn man nur die Punkte betrachtet. Dabei hat sie wieder ein hervorragendes erstes Spiel gegen Peter Spetzke vom SVG Friedrichsort abgeliefert. Sie parierte zwei drohende Springergabeln des Gegners und rettete ein spannendes Spiel ins Remis. Der halbe Punkt war gesichert. Das zweite Spiel gegen Robert Haye, SG Phönix Gettorf, verlief leider zu ihren Ungunsten. Nachdem Sie schon einen Springer weniger hatte, den Läufer nicht entwickeln konnte und der Gegner seine Schwerfiguren auf einer Linie platzierte, war das Spiel eigentlich schon verloren. Doch mit einer Springergabel auf Turm und Läufer eroberte sich Dani die Leichtfigur zurück und brachte sie wieder ins Spiel. Aber der Gegner hatte einen Freibauern auf der A-Linie. Nach einem langen Kampf, mit einer wiederum hervorragenden Leistung von Dani im Endspiel, konnte der Gegner leider diesen Bauern doch noch umwandeln. Es waren inzwischen nahezu 5 Stunden gespielt. Gegen 22:45 Uhr musste Dani sich doch noch geschlagen geben, aber die Anerkennung des Gegners und der umstehenden Zuschauer hatte sie sich erspielt. Dani hat jetzt einen Punkt aus vier Spielen und macht sich Gedanken, ob sie die Leistung von Potsdam nochmal abrufen kann. Aber eigentlich hat sie das schon getan, nur spiegelt es sich hier in Kiel leider nicht in ihren Punkten wieder.

Bei mir läuft das erste Spiel gegen Hardy Wenske, Kieler SG Meerbauer, auch nicht gut. Er lässt mir keine Luft zum Atmen und schlägt mich bereits nach ca. 70 Minuten. Seine Erfahrung und Spielstärke waren einfach zu hoch. Das zweite Spiel läuft deutlich besser. Ich merke gleich, mein Gegner Johann Borchert vom Heikendorfer SV kommt einfach nicht mit meiner Eröffnung klar. Schließlich haue ich mit meinem Springer in seine Königsstellung rein und gewinne zunächst einmal seinen Turm und einen Bauern. Dafür muss ich auch den Läufer hergeben, und mir ist klar, dass ich meinen Springer auf Dauer nicht mehr retten kann, der nun abseits auf h8 steht. Aber die Königsstellung des Gegners ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Am Ende hat mein Gegner die Wahl: opfert er die Dame, oder geht er Matt. Er übersieht meine schön anzusehende Mattkombination und rettet seine Dame. Im 22. Zug setze ich ihn Matt. „Das hab ich nicht gesehen“, meint er zum Schluss. So gewinne ich mein zweites Spiel und habe insgesamt 2,5 Punkte aus vier Spielen. Mal sehen, was der nächste Tag bringen wird.

Noch eine Bemerkung am Rande: Ein Spieler hat nach dem dritten Spiel das Turnier leider abgebrochen. So sind wir jetzt eine ungerade Anzahl an Spielern. Ein Spieler ohne Punkt gewinnt damit im vierten Spiel des Turniers kampflos und zieht nun punktgleich mit Dani. Schach ist halt nicht immer gerecht, auch wenn es für mich das gerechteste Spiel auf Erden ist.

Tag 3 (29.07.2013, geschrieben von Thomas Hoffmann): Heute ist das Tagebuch wieder von Thomas. Ab heute wird nur noch eine Runde am Tag gespielt. Was gibt es zu sagen? Eigentlich nichts. Hüllen wir also den Mantel des Schweigens über das heutige Geschehen am Brett. Nur eines sei gesagt, wir haben beide verloren. Uns fehlte wohl die Hitze. Aber sonst war der Tag schön.

Tag 4 (30.07.2013, geschrieben von Daniela Hoffmann): Diesen Eintrag schreibt mal wieder Dani. Heute hatte Thomas so seine Schwierigkeiten, Gedanken und Hand zu koordinieren - er machte den zweiten Zug vor dem ersten. Sein Gegner, Gerrit Drumm vom Kieler SG von 1884 / Meerbauer (DWZ: 1541), gewann in der Eröffnung einen Läufer und gab diesen Vorteil nicht mehr her. Thomas versuchte noch zu beißen, musste sich am Ende aber geschlagen geben.

Mein Gegner, Johann Borchert vom Heikendorfer SV (DWZ: 1353), hatte bereits in Runde 4 mit Schwarz gegen Thomas gespielt. Auch ich durfte heute mit Weiß gegen ihn spielen, was ihm ein Déjà-vu bescherte. Er variierte sein Spiel und ich hatte eine Variante auf dem Brett, die ich so noch nie gespielt habe. Eigentlich hätte ich das Spiel gewinnen müssen, doch vor lauter Matt-Varianten übersehe ich zuerst einen Springer und vergesse dann einen Turm zu schlagen, weil wieder lauter Matt-Varianten in meinem Kopf herumschwirrten. Als sich das Spiel wendete, bot ich Remis und mein Gegner nahm an.

Uns fällt auf, dass in diesem Turnier die Spiele viel häufiger als gewohnt ausgespielt werden. Remis werden erst sehr spät angenommen oder die Stellung gibt wirklich nichts mehr her. Ich selbst habe noch nie so viele Endspiele spielen müssen - fast jedes Spiel. Und aufgegeben wird wirklich erst, wenn es aussichtslos ist. Aus meiner eigenen Sicht waren die Partien in Potsdam leichter als die Partien hier in Kiel - egal, wie alt der Gegner ist. Das Niveau ist sehr hoch.

Tag 5 (31.07.2013, geschrieben von Daniela Hoffmann): Ich bins wieder, Dani. Jetzt muss sich Thomas aus einem Tief nach oben kämpfen. Er lieferte heute eine gute Partie gegen Wolfgang Feldmann (DWZ: 1371, ELO: 1668) vom Heikendorfer SV ab. Grobe Patzer passierten nicht und er kann trotz Niederlage mit sich zufrieden sein. Zwei Runden sind ja noch offen.

Meine Partie gegen Ralf Maaß (DWZ: 1281) vom Flensburger SK verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse und Wendungen. Ich kannte die Eröffnung meines Gegners und wusste daher genau, was seine Ziele sind. Eine wirkliche Drohung konnte ích leider auch nicht aufbauen und so endete das Spiel dann auch Remis. Und was sagte Thomas dazu: "Die Remiskönigin hat wieder zugeschlagen".

Heute haben insgesamt drei Spieler kampflos gewonnen. Neben dem spielfreien Sieg aufgrund ungerader Spieleranzahl sind zwei Spieler nicht angereist. Einer der beiden ist bereits das zweite Mal nicht angetreten. Schade.

Tag 6 (01.08.2013, geschrieben von Daniela Hoffmann): Und heute schreibt auch Dani. Thomas hat ein schönes Spiel gegen Jörg Spreu (DWZ: 1399) vom NDTSV Holsatia Kiel gespielt, aber leider verloren. Trotz Zeitnot in den ersten 40 Zügen behielt er die Nerven, räumte noch gut beim Gegner auf. Aber am Ende hatte der Gegner einen zu starken Angriff.

Ich hatte den unglücklichsten Platz von allen erwischt, mit dem Rücken zur Tür. Mein Gegner, Dietrich Howe (DWZ: 1478, ELO: 1756) vom SK Kaltenkirchen hatte die Tür wenistens im Blick und sah, wer wann kam und ging. Das hat mich so abgelenkt, dass ich mich nicht richtig konzentrieren konnte. Da musste es passieren, dass ich die Deckung einer Figur vernachlässigte und mir damit die Königsstellung aufriss. Ein zweiter Fehler machte die Niederlage dann komplett. Für mich ist das Turnier gelaufen, denn die Auslosung für morgen ist bereits bekannt: Ich habe spielfrei. Thomas muss bei erneut angekündigten 32-34 Grad Celsius noch einmal ran. Da drücke ich ganz fest die Daumen - jetzt habe ich ja Zeit dazu...

Tag 7 (02.08.2013, geschrieben von Thomas Hoffmann): Zum Abschluss schreibt nochmal Thomas. Heute hatten wir unser letztes Spiel, besser gesagt, ich musste nochmal ran. Dani hat Ihre Partie durch das Los kampflos gewonnen und profitiert damit endlich auch einmal von einer ungeraden Spielerzahl, wie schon so viele Leute vor ihr, die zuvor kamplos an ihr vorbei gezogen waren.

Meine Partie gegen Alexander Boyens (DWZ 1027) vom Husumer SV verlief gut. Durch eine Bauerngabel im achten Zug konnte ich einen Läufer gewinnen. Nachdem alle Türme abgetauscht waren, hatte ich noch zwei Läufer und die Dame, Alexander Boyens besaß nur noch einen Läufer und seine Dame, hatte aber dafür 2 Bauern mehr. Sein Läufer war aber hinter seinen Bauern eingesperrt und spielte nicht mit. Nachdem ich mit meiner Dame in seine Stellung einbrechen konnte, flüchtete er mit seinem König nach vorne, wo ich ihn schließlich hätte Matt setzen können. Einen Zug vor dem Matt gab er auf. Der Pflichtsieg war im Sack. Aber was ist bei diesem Turnier schon sicher gewesen. Fazit: Dani hat einige DWZ-Punke hinzu gewonnen, wärend ich nahezu stehen geblieben bin. Das Turnier war aber ein Erlebnis für sich, mit seinem Blick auf die Kieler Förde und einem starken Spielerfeld - Nicht nur wir hatten diesen Eindruck, auch die Einheimischen haben bestätigt, dass die Aufstellung der Spieler dieses Jahr höherwertiger als im letzten Jahr war. Wir haben neue Schachfreunde kennen gelernt und waren zur Abwechslung mal die "Exoten" aus der Ferne.  Kiel war die Reise wert - jederzeit wieder, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

 
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