VMCG Schachfestival 2015 - Schach in Fürstenwalde

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VMCG Schachfestival 2015

(geschrieben von Daniela Hoffmann)

Freitag, 14.08.2015

Noch ist es unwirklich. Heute gehts nach Lüneburg? Muss ja, da steht ein gepacktere Koffer. 6 Uhr, ab zum Zug. Der Regio ist pünktlich und dank Ferienzeit angenehm leer. Am Berliner Hauptbahnhof hab ich noch etwas Zeit. Der ICE ist heute auch pünktlich. Das kann gerne so weitergehen. Meine Gefährten, die M&Ms haben rapide abgenommen. Die Bahn hat Mitleid und bringt neue: Mini Laugengebäck. Am Hamburger Hauptbahnhof hab ich eine halbe Stunde Zeit bis zum nächsten Zug. Die Fahrkarte sagt Gleis 14, die Anzeige Gleis 12. Aber da steht so eine IRE rum, hmmmm. 10:28 Uhr soll es weitergehen. 10:25 Uhr ist es. Ahh, der IRE fährt raus, die Anzeige wechselt. Na bitte, mein Zug. "Bitte beachten Sie die angezeigte geänderte Wagenreihung, Wagen 12-6!" Jetzt zeigt die Bahn wieder, was sie kann. Hätte mich auch gewundert, wenn alles glatt gegangen wäre. Wo ist Wagen 12? Ein Fahrgast sagt mir, ich solle auf die Aushänge schauen. Klasse. Laut Fahrkarte fährt er von Gleis 14, da wird heute auf Gleis 12 wohl der richtige Aushang sein... Ich laufe jetzt nicht treppauf, treppab und wieder zurück... "Nö, nicht nötig, der fährt normalerweise von Gleis 12. Die Buchung ist falsch...". Aha. Der Aushang sagt, Wagen 12 ist erste Klasse. Die aktuelle elektronische Anzeige zeigt keine erste Klasse und damit keinen Wagen 12. Ich gehe mal davon aus, der die Reihung komplett umgekehrt ist. Also auf zum anderen Ende. Der Zug kommt rein und die Fußballmannschaft sucht Wagen 7. Juhuuu, anderes Ende, die Jungs flitzen ab. Aber in die erste Klasse will keiner - gut, hab ich sie alleine für mich. Meine Uhr sagt: 'Ankunft Lüneburg'. Keine Ansage. Aber draußen Schilder mit der Aufschrift Lüneburg. Schnell die Sachen geschnappt. Der Zug hält, die Tür geht schon auf. "Moment," brülle ich, "ich will noch raus." Verdutzte Gesichter, als ich um die Ecke biege. "Danke, die haben keine Ansage gemacht." Das Lächeln sagt mir, dass das hier wohl öfter passiert.

Nach 20 minütigem Fußmarsch komme ich komplett durchgeschwitzt in der Ferienwohnung an. Hier wartet schon eine Flasche Rotwein und zwei Flaschen Wasser. Also auspacken und raus in die Stadt. Lüneburg hat ein schönes Zentrum. Viele Gassen und parallele Straßen und überall Boutiquen, Restaurants, Cafes. Die vielen Gässchen laden einfach zum Entdecken ein. Und so bin ich gelaufen, gelaufen, gelaufen, ... Jetzt hab ich zwei Blasen. Glücklicherweise ist Schach kein Laufsport.

Sonnabend, 15.08.2015

Das Gewitter heute Nach fiel viel schwächer als gedacht aus. Gut so, bin ich wenigstens ausgeschlafen. Mein erster Gegner ist Guido Schröder. Es soll mein allererstes Turniergambit werden. Auf dieses hab ich mich schon länger gefreut, nur die Variante will mir nicht mehr einfallen. Na dann ... Freestyle!!! Und es lieft fantastisch. Doch dann, Dh5 und der Gegner hätte aufgegeben. Was mache ich? Einen anderen Damenzug. Jetzt verliere ich einen Läufer, schalte das Hirn aus, lasse mir einen Turm weggabeln und verliere das Spiel. Mein Gegner hat ein schlechtes Gewissen, das Spiel gewonnen zu haben, was mich aber nicht tröstet. Gut, dann suche ich mir einen neuen Gefährten: Fischbrötchen. Sollte doch leicht fallen in einer Hansestadt. Gerade rechtzeitig bin ich zurück in der Ferienwohnung. Es regnet nun. Frisch geduscht und durchgeschwitzt überlege ich, die Außendusche zu probieren...

Sonntag, 16.08.2015

Heute warte ich auf Nguyen Luong Huyen. Dahinter verbirgt sich eine sympatische junge Studentin. Sie kommt wenige Minuten später und sollte mir mit ihrem halben Jahr Schachpraxis weitere graue Haare bescheren. Ich gewinne schnell einen Läufer, doch sie verteidigt zäh. Im 20. Zug übersieht sie glücklicherweise meinen Bock und ich profitiere nur davon, dass sie noch keine drei Züge vorausrechnen kann... Oje, diese 900er. Im nächsten Zug schießt sie einen Bock, ich gewinne Turm gegen Springer und muss "nur" noch das Matt finden. Am Rand ist das doof, da suche ich lieber elegant in der Mitte und siehe da: Matt!! Nun aber auf in die Stadt, da sind noch so einige Gässchen, die ich noch nicht kenne. Ich finde die wohl schönste Ecke Lüneburgs. Hier gibt es keine Kneipen und Boutiquen, sondern nur krumme und schiefe Wohnhäuser. Aufgrund des früheren Salzabbaus sackt hier das Gelände immer weiter ab. Die Häuser werden immer schiefer und müssen wieder und wieder ausgebessert werden. Dennoch, wer Geld hat und etwas auf sich hält, der kauft sich hier sein Heim und hat Arbeit, Arbeit, Arbeit... Und wo bin ich jetzt? Da hab ich glatt die Orientierung verloren. Glücklicherweise gibt es hohe Kirchtürme. Mit einem lecker Sherry-Matjes bei Mälzers endet mein Tag.

Montag, 17.08.2015

Mit Uwe Seepe habe ich heute wieder einen harten Brocken vor mir. Und wieder bekomme ich Oberhand. Ein falscher Abtausch - es hätte ja elegant ein ersticktes Matt werden können - und ein falscher Turmzug und der Vorteil ist dahin. Genial, mit welcher Konstantheit ich das schaffe, so ein Spiel zu verlieren. Da gehe ich lieber in den Kurpark zum Frustknipsen. Zurück in der Ferienwohnung mache ich noch 2 Stunden Telefontraining mit Thomas. Ich will morgen nicht verlieren.

Dienstag 18.08.2015

Volker Thorn, mein heutiger Gegner, ist ein ganz Netter. Eigentlich will ich nicht gegen ihn spielen. Nach nur einer Stunde und 17 Minuten ist es dann auch schon vorbei. Es kamen genau die gestern Abend einstudierten Züge. Allerdings habe ich meinen Läufer blöd platziert, was ihn aber zu d4 bewogen hat. Damit stand der Läufer wieder gut und ich gewann mit ihm erst den einen und dann auch den anderen Turm. Jetzt gehts mir so, dass ich mich gar nicht richtig freuen kann, da Volker gestern schlechte Nachrichten bekam und nicht ganz bei der Sache war. Da es immernoch regnet, mache ich es mir heute gemütlich. Habe ja noch Rotwein.

Mittwoch, 19.08.2015

Der 73jährige Helmut Lick erweckt in mir den Eindruck, ein Soldat der alten Garde zu sein... Ich habe wieder Weiß und wieder ist der Wurm drin. Mit Weiß geht irgendwie gar nichts. Ich liebe meine Springer genau so, wie ich die des Gegners hasse. Erneut gabelt mir so ein Viech meine Türme auf und meine Zeit rennt irgendwie schneller, als die der anderen. Ich hätte einfach meine ersten Gedanken umsetzen sollen... bestätigte mir der Gegner in der Analyse. Er hätte da für mich noch eine Remischance gesehen... Da haben sich zwei gefunden: Für Dani und Simone gibts jetzt nur noch eins - Chardonnay. Auf morgen! Und dann wird der Gegner von morgen ganz genau analysiert... Um 21:20 Uhr hole ich noch Thomas vom Bahnhof ab. Endlich nicht mehr alleine.

Donnerstag, 20.08.2015

In Runde 6 treffe ich auf Norbert Weber. Er spielt anders als erwartet, aber trotz Variation halte ich mich prinzipiell an meine Vorbereitung mit den entsprechenden Ideen. Als im 20. Zug c6 kam, konnte ich den Läufer gewinnen. Allerdings hatte ich den Dameneinbruch auf der g-Linie gar nicht auf dem Schirm. Glücklicherweise konnte ich die Dame zum Tausch bieten und er nahm an. Jede Figur weniger erhöht meine Chancen, aber auf den Freibauen muss ich immer ein Auge haben. Bestimmt ist mein b6 grottenschlecht, aber der Turm muss raus aus meiner Linie. Und so kam es. Allerdings musste ich dafür zwei Bauern geben. Jetzt lässt der Gegner den Turm stehen, doch anstatt ihn zu nehmen, entscheide ich mich, meinen Turm auf die zweite Reihe zu bringen. Der Gegner gibt auf. Dritter Punkt sicher - alles mit Schwarz!!! Auf zum Knipsen. Übrigens: Mälzer Pilsner ist lecker.

Freitag, 21.08.2015

Gegen Stephan Wallat hat es mir heute keinen Spaß gemacht. Er machte am Brett einen unsympatischen Eindruck. Also kein Spaß am Spiel, kein Punkt. Dafür klappt es mit Simone immer besser. Hoffentlich spielen wir nicht noch gegeneinander... Mit Thomas gehts heute hoch hinaus auf den Wasserturm. Simone winkt vom Balkon des Hotels, ich vom Wasserturm und Thomas tut so, als gehört er nicht zu mir. Ist ihm peinlich... Dann der Anruf: Simone und ich spielen morgen gegeneinander. Das BBQ heute Abend hat Spaß gemacht, Simone kam auf einen Chardonnay dazu. Ich hab schon lange nicht mehr so gelacht.

Sonnabend, 22.08.2015

Gegen Simone Steppuhn heute Remis und die obligatorische Verabredung auf den Chardonnay. Und nun auf ins Kloster Lüne. Ich habe alles schon fünf Mal gesehen und Thomas steht noch immer vor dem Kloster im Kräutergarten und knipst. Vor der Führung finden wir doch noch Zeit für ein Klostersüppchen und Thomas entdeckt doch noch die anderen Klosterecken. Die Führung soll 75 Minuten dauern. Gedauert hat sie 135 Minuten. Der Bus zurück war weg, also 20 Minuten Fußweg in die Stadt. Am Kostereingang begegnen wir erneut der Frau, die die Führung durchführte, und ihrem Mann. Sie verdonnerte ihren Mann dazu, uns zurück nach Lüneburg zu fahren. Klasse, wir kommen doch noch rechtzeitig zum Abendessen mit Simone.

Sonntag, 23.08.2015

Heute ist Jörg Dao mein Gegner - ein komischer Kautz mit Wollmütze und Handschuhen. Ich hoffe, er kommentiert nicht jeden Schlagzug wieder mit "Schnappi" und reißt die Arme in die Höhe, wenn die Damen abgetauscht werden: "juhuuu, keine Dame mehr". Also Ohrstöpfel rein, Scheuklappen auf, und rein ins Getümmel. Was für ein Wirrwar. Wer zieht denn so die Figuren... oje, ruhig bleiben. Dann endlich der Vorteil für mich. Turm gegen Springer. Und was kommt? Ich stelle dem gehasssten Viech eine Gabel hin, verliere Turm und Spiel... Böse, wirklich böse. Nach der Siegerehrung hat das Salzmuseum auch schon fast zu. Irgendwie ist heute alles gegen mich...

Montag, 24.08.2015

Wie? Kein Spiel? Schaaaade. Dann fahren wir eben nach Bleckede. Das ist eine halbe Stunde per Bus entfernt. Ein süßes kleines Dörfchen. Das Biosphaerum ist schon etwas veraltet, einige Exponate sind kaputt, andere kurz davor. Der Eintrittspreis ist viel zu hoch. Die sollten die Gelder lieber nutzen, um alles in Schuss zu halten. Die Aussicht vom Turm und der kurze Spaziergang über den Elbedeich waren der Höhepunkt. Zurück in Lüneburg sind wir um 20 Uhr nochmal in die Salzterme gegangen. Allerdings wurden wir um 21:30 Uhr wegen eines aufziehenden Gewitters aus dem Außenbereich und den warmen Innenbecken rausgeworfen worden, weil diese mit dem Außenbecken Verbindung haben.

Dienstag, 25.08.2015

Das Salzmuseum in Lüneburg kann ich nur empfehlen. Nur von den Außenanlagen hätte ich mir mehr erhofft. Den letzten Abend ließen wir im Mälzers ausklingen.

Mittwoch, 26.08.2015

Heute gehts nach Hause. Wir entscheiden uns, die sichere Variante zu nehmen und 1,5 Stunden vor dem ICE in Hamburg zu sein. Es ist halb, gerade richtig, auf gehts. Als wir in Hamburg einfahren, schaue ich auf die Uhr und wundere mich, ob sie vielleicht stehen geblieben ist. Wir haben 10 Uhr und der ICE fährt erst um 12:39 Uhr. Da sind wir glatt zwei Stunden zu früh losgefahren anstelle wie geplant 1 Stunde zu früh. Das ist mir auch noch nicht passiert. Alles weitere verläuft nach Plan und wir kommen gegen 16 Uhr zu Hause an.
 
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