Vor 1390 - Schach in Fürstenwalde

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Vor 1390

Von Liebe, Wein und Schach

Der persische Dichter Hafis wird bei seinen Kneipengängen auch auf Schachspieler gestoßen sein. Sein lyrisches Werk erschien bei Cotta im Frühjahr 1814 in der sperrigen Übertragung Hammer-Purgstalls und inspirierte Goethe zum "West-östlichen Divan". Die IX. Gasele unter dem Buchstaben Ta beginnt:

Gut ist was auf dem Pfad des Gemüths vor Betrachtenden herzieht.
Auf geradem Weg' hat sich noch keiner verirrt.
Wunderlich ist das Spiel, wir wollen den Bauer nur ziehen,
Denn auf diesem Feld zieht der Betrunk'ne nicht Schah.
Kennt ihr das hohe Gewölb mit vielen seltnen Gemälden?
Noch hat auf der Welt keiner das Räthsel gelößt.

Aufschlussreicher als jene Verse ist die zugehörige Anmerkung des Übersetzers Hammer-Purgstall.
Auch im Persischen steht Schah, wiewohl dieß, wie der Kommentar bemerkt, nicht der gewöhnliche Ausdruck ist, dem Könige die Gefahr anzudrohen.
Man sagt kischt oder kisch. So sagt Molla Dschami: Be gescht u kiari Dschihan dil mebend ki achir kiar / Si kischt mat scheved Schahi arsai schatrendsch.
Binde dein Herz nicht an die Welt und ihre Geschäfte / Denn vom Schah! Wird zuletzt selber der König Schahmatt.
Man bemerke hier in zwei Zeilen zwey Worte, die der Deutsche und der Perser gemein haben.
Das persische Wortspiel zwischen gescht und kischt hat sich nicht wiedergeben lassen, wird aber einigermaßen durch das deutsche Schach und Schachmatt ersetzet. Daß der Pion vom persischen piade oder Pidak und das Roquiren vom Vogel Roch herstammen. Hyde de ludis orient
[die Quelle des Spiels ist das Morgenland] ist ohnedieß allen Schachspielern bekannt. Weniger, vielleicht daß die Königin erst bey den Europäern an die Stelle des in orientalischen Staaten und Lagern alles leitenden und allwirkenden Wesirs getreten sey.
(Hafis, Der Diwan, Aus dem Persischen von Joseph von Hammer-Purgstall, München 2007, S. 87)

 
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